Autor Thema: Eishockey ist nicht mehr das was es einmal war?  (Gelesen 1920 mal)

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Eishockey ist nicht mehr das was es einmal war?
« am: 30 Januar 2013, 19:45:12 »
Am Rande der Bande – Hintergründe zu neuen Regelanwendungen / Auslegungen

Immer wieder werden Stimmen laut, Eishockey wäre nicht mehr das, was es mal war. Die Liga und die Schiedsrichter würden mit einer engen Linie oder neuen Interpretationen von Regeln dem Eishockey das Körperspiel nehmen. Dem ist nicht ganz so, jedoch hat es Gründe, warum Spieler immer mehr geschützt werden sollen. Dabei geht es nicht nur um die Gesundheit der Spieler, sondern auch um einen weiteren wichtigen Punkt, es kostet die Vereine viel Geld! Über das warum und wieso, weshalb ein Umdenken stattfindet, erkläre ich hier.

Eishockey wurde in den letzten Jahren immer schneller, die Physis der Spieler um ein enormen Faktor stärker, Ausrüstungen immer leichter, der Sport hat sich speziell in diesen Punkten stark verändert. Gestattet mir den Vergleich zum Straßenverkehr, es lassen sich hier nämlich so viele Parallelen ziehen. Nehmen wir mal Autos vor 20 Jahren, kein Airbag, kein ABS, gerast wurde dennoch was ging. Die technischen Hilfsmittel wurden auf Grund von Verkehrsunfällen und daraus resultierenden Toten und Verletzten angepasst, Autos immer schneller, aber zugleich auch sicherer gemacht. Daraufhin Strecken mit hoher Unfallhäufigkeit anhand Geschwindigkeitseinschränkungen abgesichert. Daraus resultierend gingen die hohen Unfallzahlen zurück, vor allem die der Verunglückten. Auch im Straßenverkehr gibt es Unverbesserliche, die es nicht einsehen, Geschwindigkeiten einzuhalten, sie nehmen entsprechende Strafen oder Unfälle billigend in Kauf.

Jetzt im Vergleich Eishockey. Ich möchte keinem Spieler der alten Zunft zu nahe treten, ich wage jedoch zu behaupten, dass im Vergleich zu früher, die Spieler heutzutage physisch wesentlich stärker sind. Dazu kommt, alles ist schneller geworden, dadurch Checks wesentlich härter. Hier fahren teilweise Spieler mit etwa jeweils 30 - 40 km/h aufeinander, da steckt eine enorme Wucht dahinter! Die Zahlen der immer stärkeren und häufigeren Verletzungen, speziell im Kopfbereich, haben die Vereine zum Umdenken veranlasst. Hier geht es nicht nur darum, dass ein Spieler für längere Zeit fehlt oder gar seine Karriere beenden muss. Das Problem ist mitunter ein ganz anderes: Wer zahlt all dies? Die Behandlung? Das Gehalt? Die Nachversorgung? Die Antwort: Eine Versicherung tritt dafür ein. Wie verhält sich eine KFZ Versicherung im Schadensfall? Sie zahlt und holt sich das Geld durch Anpassung des Versicherungsbeitrags vom Schädiger zurück. Das Gleiche passiert im Bereich des Eishockeysports, hier ist es die VBG, die sich alle ausbezahlten Versicherungssummen, durch jährliche Erhöhungen der Versicherungsbeiträge wieder zurückholt. Die Vereine sind gezwungen, Ihren Etat entsprechend zu erhöhen, damit sie die Ausgleichszahlungen entsprechend decken können. Und diese Summen steigen von Jahr zu Jahr und reissen in die Kassen der Clubs ein riesiges Loch. Wir befinden uns (noch) in dem glücklichen Zustand, dass die Versicherung nicht den entstandenen Schaden bei dem Spieler einfordert, der für die Verletzung gesorgt hat.

Nun noch einen Blick über den großen Teich. Hier wird ja immer das harte körperbetonte Spiel so hoch gelobt. Wer die NHL jedoch genau beobachtet, hat bereits bemerkt, dass auch hier ein Umdenken stattgefunden hat. Spätestens seit dem Ausfall eines nicht minder teuren Sidney Crosby, kam man auch hier zu dem Entschluss, Angriffe gegen den Kopf und Nacken härter zu bestrafen. Auch die Körperangriffe an der Bande werden hier strenger bewertet. Bei der Einführung der strengeren Regelauslegung vor etwa fünf Jahren, ging man in der NHL sogar den Weg der null Toleranz Grenze, da wurde selbst der Stock am Körper schon als Haken bewertet.

Jüngstes Negativbeispiel ist der Ausfall von Stefan Ustorf. Mal davon abgesehen wie es letztlich zu seinem Ausfall gekommen ist, würden wir nicht lieber die Möglichkeit vorziehen, anstatt auf einen hart ausgeführten Check (möglicherweise an den Kopf) zu verzichten und diesen Spieler weiter spielen zu sehen? Uns Schiedsrichter wird ein wichtiger Leitsatz mit an die Hand gegeben: „Schützt Spieler nicht vor Strafen, schützt Spieler vor Verletzungen!“.

Jetzt noch ein letzter Aspekt, der auch dem Letzten einen Denkanstoß geben sollte: Wie sollen wir ausreichend Eishockey Nachwuchs finden? Wenn wir zum Eishockey gehen, dabei zusehen wie sich Spieler gegenseitig die Zähne ausschlagen oder Spieler nach einem harten unfairen Check bewusstlos liegen bleiben, mag das mancher Fan toll finden. Wie groß mag jedoch der Anteil der Eltern sein, die dann sagen: „Ein toller Sport, so was soll mein Kind auch mal machen!“?

Stefan Vogl

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Offline Karlsson

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Re: Eishockey ist nicht mehr das was es einmal war?
« Antwort #1 am: 30 Januar 2013, 23:13:27 »
unterschreibe ich in vielerlei hinsicht - und doch fordere ich weiter und immer wieder FINGERSPITZENGEFÜHL ein!

Offline Peitingerin

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Re: Eishockey ist nicht mehr das was es einmal war?
« Antwort #2 am: 09 März 2013, 19:55:36 »

Genau darum werden solche Checks viel strenger gepfiffen....

http://www.lessentiel.lu/de/sport/story/17264469
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